Meine letzten Monate 2022 in Ecuador

Meine Zeit endet in Ecuador ... vorerst

Ich schriebe diese Zeilen mit einem zeitlichen Abstand von fast 6 Wochen, denn die letzte Zeit war wieder von vielen Herausforderungen und Neuem geprägt.

Generalstreik in Ecuador und ein Platz, der mir an das Herz gewachsen ist

Die letzten zwei Monate Juni und Juli habe ich fast ausschließlich und unfreiwillig in Ibarra gelebt. Ibarra ist eine kleine Stadt am See, eingebettet in einem traumhaften Anden-Tal. Dort war ich auf einem Campingplatz am See, eines deutsch / ecuadorianischem Ehepaars von Ximena und Hans gestrandet. Hier treffen sich zentral alle internationalen Overlander (Camper) für Übernachtungen, Reparaturen, Hilfeleistungen bei Visas usw. oder einfach nur mal zum Entspannen vom Reisen.

Generalstreik

Eigentlich wollte ich nur zwei drei Tage in Ibarra bleiben, aber dann kam der Generalstreik der indigenen Bevölkerung, der es auch in die internationalen Nachrichten geschafft hat. Man konnte es nicht glauben, dass doch in diesem Land mit so liebevollen Menschen solch eine Gewalt herrschen kann.

Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht in Quito war … denn genau in dem Stadtbezirk, wo ich wohnte, tobten mit am heftigsten die physischen Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten.

Danke, ich und die anderen Overlander waren isoliert und gut behütet auf dem umzäunten Campingplatz. Selbst die Polizei, hat täglich nach dem Rechten geschaut.

Hier kann man die Sicherheit in Europa schätzen lernen. In diesem Zeitabschnitt gab es weder Kraftstoff für Fahrzeuge, noch offene Schulen oder Behörden. Von Woche zu Woche reduzierten sich die Waren in den noch stundenweise geöffneten Märkten. In den letzten Wochen des Streiks gab es nur noch Grundnahrungsmittel. Wir wären niemals verhungert, es war für uns immer Essen ausreichend da.

Aber glaubt mir, wenn man die Bilder der Gewalt auf dem Handy sieht, den Ort nicht verlassen kann, weil brennende Barrikaden die Straßen versperren und selbst die Ecuadorianer Angst vor der Situation haben, dann ist man sehr sehr dankbar, dass man auf einem geschützten Arial leben kann.

Ximena und Hans die Eigentümer des Campsite haben sich sehr um uns gekümmert, die beiden sind mir sehr an das Herz gewachsen.

Ximena und Hans Besuch DE
Ximena und Hans die Eigentümer des Campsite

Neue Freundschaft

In der Zeit des Streiks, habe ich auf dem Campingplatz meine Freundin Elisabeth mit ihrem Hund Rex kennengelernt. Elisabeth ist 68 Jahre alt, ist in Deutschland geboren und ist vor vielen Jahren nach Australien ausgereist. Seit 3 Jahren ist sie allein mit ihrem Minibus von Australien über Russland, Arabien, Europa und jetzt in Südamerika unterwegs. 2023 will sie wieder in Australien ankommen.

Wir haben uns gleich verstanden, haben gemeinsam gekocht, viele interessante Gespräche geführt und waren nach dem Streik zum Salsa.

Auch ihren Hund Rex, habe ich liebgewonnen. Er hat mich oft besucht und sich bei mir im Auto wohlgefühlt und ich habe seine Anwesenheit genossen. Endlich wieder ein Hund an meiner Seite !

Elisabeth die Weltreisende

Ibarra / Ecuador, zum ersten Mal eine Stadt in Südamerika wo ich mich wohlgefühlt habe.

Ibarra, Leben am See, mit einem atemberaubenden Blick in die Bergwelt und Vulkane, das war schon genial.

Hier kam alles zusammen.

  • die geografische Lage, eingebettet und umgeben von Natur
  • das angenehme Klima
  • die netten Eigentümer des Campingplatzes Ximena und Hans
  • Elisabeth meine australische Freundin
  • 500 Meter entfernt ein Gestüt zum Reiten
  • 15 Minuten zur Spanisch-Schule mit meiner netten Lehrerin Leticia
  • und dann noch ein Salsa-Cubano-Club

Es wäre fast ein Paradies, wenn da nicht die Rennstrecke direkt vor dem Campingplatz wäre. Während des Streiks sind alle Rennveranstaltungen und Trainings ausgefallen, leider begannen diese wieder als das Leben in die Straßen zurückkehrte. Habt ihr schon einmal ein Formel-1  Auto, aus 100 Metern Entfernung gehört? Muss man nicht haben…

Ibarra / Ecuador

Visa wird ich nicht verlängern, Arbeitsvertrag

Als ich nach Ibarra kam, war mein Plan klar. Ich werde hier zwei drei Tage bleiben und dann den Norden von Ecuador bereisen. Am letzten Tag meines Touristenvisums werde ich dies mit einer Sondergenehmigung verlängern und dann die folgenden Monate in Ibarra Spanisch lernen und meinen Besuch in Deutschland antreten.

Im Vorfeld hatte ich dazu auch ein Gespräch mit der Immigrationsbehörde und die Vorgehensweise besprochen. Als der Termin der notwendigen Beantragung näher kam machte ich eine schriftliche Anfrage an die Behörde, da durch den Streik alle Ämter geschlossen waren. Welche Überraschung, man teilte mir mit, dass seit Frühjahr dieses Jahres das Gesetz geändert wurde und diese Art der Visumverlängerung nicht mehr existiert. Es wurde mir vorgeschlagen, ein Studenten- oder Arbeitsvisum zu beantragen.

Leider konnte mir meine Schule für ein Studentenvisum nicht die entsprechenden Genehmigungen geben. Doch Ximena und Hans, haben mich auf dem Campingplatz „angestellt“ um ein Arbeitsvisum zu beantragen.

Bei dem darauffolgenden Termin in der Immigrationsbehörde wurde mir dann mitgeteilt, dass ich für dieses Arbeitsvisum pro laufenden Monat Kosten für 350 US-Dollar zu zahlen habe. (Der Grund: ich möchte das Arbeitsvisum nur 4 Monate nutzen, weil eine andere Genehmigung, die für die Nutzung des Fahrzeugs in Ecuador, ab dem 28. November 22 wieder möglich ist.)

Ich habe mich schlecht bei den Kosten gefühlt und habe das Visum abgelehnt. Ich soll wohl doch nach Kolumbien.

Die letzten zwei Wochen in Ecuador und ein Koffer voller Ersatzteile aus Deutschland

Die letzten zwei Wochen in Ecuador habe ich genutzt, meine persönlichen Sachen aus Quito abzuholen und nochmals an meine Lieblingsplätze an die Küste zu reisen.

Rico Weißbach, der Schwiegersohn von Eckhart Wolf, dem Leiter meines Missionskrankenhauses im Amazonas, hat mir von Deutschland erneut einen Koffer mit Ersatzteilen nach Ecuador mitgebracht. Danke ihm und meinen Eltern, die mit viel Aufwand Teile versorgt, abgeholt, gelistet, gewogen, abgestimmt, verpackt und letztendlich auch den Koffer zu Rico gebracht haben.

Danke auch meinem Freund André Siebdraht aus Zwönitz, der jetzt schon den zweiten Reisekoffer für Ersatzteillieferungen nach Ecuador organisiert und mir geschenkt hat.

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Eine Antwort

  1. Lieber Enrico, deine Reiseberichte sind sehr interessant. Viele Erlebnisse einfach atemberaubend und phantastisch. Allerdings musstest du auch eine ganze Reihe negative Angelegenheiten erfahren. Froh sind wir immer wenn sich diese irgendwie klären lassen. Wir hoffen und wünschen sehr, dass du bald gesund und unbeschadet wieder in deine Heimat und in deine Familie zurückkehrst. Sei ganz herzlich gegrüßt von deinen Eltern.

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