Mein Krankenhaus

Ihr habt mich gebeten, etwas über meine Arbeit im Missions-Krankenhaus zu schreiben.

Meine Aufgabe

Aller drei Wochen arbeite ich als Volontär in einem Missions- und Buschkrankenhaus im Amazonas. Ich versuche meine administrativen Erfahrungen einzubringen und dem Krankenhaus eine bessere unternehmerische Struktur zu geben. Fast zu 80 % sind unsere Patienten Indigene einige von ihnen sprechen nicht spanisch, sondern nur „Chichewa – Kichwa“ die örtliche indianische Sprache, die bis weit nach Peru reicht.
Das Krankenhaus ist historisch betrachtet sehr berühmt, zwei Filme und ein Buch wurden über die Geschichte des Krankenhauses und die amerikanische Missionarsgruppe um Jim Eliot gedreht. https://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Elliot
Kurz erzählt: Eine Gruppe von amerik. Christen bemühten sich die örtlichen Indianer zu missionieren. Bei der Kontaktaufnahme wurden sie mit dem Speer getötet. Später nahmen die evangelisierten Indianer, Kontakt zur Familie von Jim Eliot auf und versöhnten sich. Aus der Geschichte entstand unser Missionskrankenhaus im Amazonas.
Leider hat Hollywood, nicht nachhaltig den wirtschaftlichen Erfolg gesichert und das Krankenhaus ist durch viel Höhen und Tiefen gegangen. Gleichfalls ist es bemerkenswert, dass nur durch Gottes Hilfe eine solche Achterbahn politisch und wirtschaftlich zu überleben war….. jedes andere Unternehmen wäre in den Fluten des Meeres untergegangen und am Grund in tausend Stücke zerfallen.
Eine E-Mail reicht einfach nicht aus, um die unendlichen Episoden zu beschreiben, aber vielleicht schreibt das Missionsehepaar Wolff ein Buch über Ihre Erlebnisse in den letzten 30 Jahren hier am Krankenhaus. Beide sind Ärzte und haben anfänglich durch Ihre privaten Mittel das Krankenhaus nach einer „Geschäftsaufgabe“ einer amerikanischen Mission wieder neu aufgebaut. Sie leiten das Krankenhaus nicht nur medizinisch, sondern auch administrativ. Sie verdienen kein Geld, sondern leiten das Krankenhaus als Rentner mit bis zu 70 h die Woche unentgeltlich. Nächstes Jahr, wollen die zwei nach 30 Jahren Missionstätigkeit in Ecuador nach Deutschland zurück. Jetzt gilt es, dass Hospital auf einen harten Wechsel vorzubereiten.
Das Krankenhaus ist auf Spenden angewiesen. Um Kontakt in die ganze Welt zu bekommen, schreibt Dr. Wolff jeden Monat einen öffentlichen Brief. Den letzten Brief möchte ich mit Euch teilen, weil er die Lage sehr gut beschreibt und auch meine Tätigkeit mit aufzeigt. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gefreut:

Der Monatsbrief des Direktors

„Abgeben, ist gar nicht so einfach Shell, 03 Mai 2021 Kurzbrief 1421
Unser ecuatorianischer Allgemeinchirurg hat angefangen, mit einer Gallenblasen OP, weitere folgen und das OP-Team stellt sich um. Er hat jetzt auch eine feste wöchentliche Sprechstunde, die nach Bedarf erweitert wird. Und operieren heißt auch die Nachsorge dieser Patienten und das klappt. Auch die finanziellen Dinge sind geregelt, für den Moment wenigstens. Carlos Vimos ist ein erfahrener Chirurg aus dem staatlichen Hospital und wir sind gespannt, ob er sich auch in das Team eingewöhnt und nicht nur hier Geld verdienen will.
Anders ist es mit Geovanny Oleas, einem langjährigen Freund vom Team der behinderten Kinder. Er war jetzt drei Jahre in den USA, in Kanada und Mexico zur Fortbildung (Fellowship). In den großen Städten Ecuadors wird er derzeit nicht gebraucht. Wir beten seit Jahren, dass er nach Shell kommt, aber seine Frau möchte es noch nicht. Sie hat sich die drei Jahre um die Kinder gekümmert, jetzt möchte sie so schnell wie möglich auch berufstätig sein und das geht besser in der Stadt mit Unterstützung der Eltern für die Kinder. Anfang Mai kommt die Familie für eine Woche nach Shell und wir werden zwei behinderte Kinder operieren, um Erfahrungen zu zweit zu sammeln. Dann wird klar, was wir an OP-Ausrüstung kaufen müssen und ob wir uns dann den großen Kauf eines Röntgengerätes für den OP leisten können.
Abgeben ist das Thema – aber wie und klappt es? Die Neuen müssen Teil unseres Teams werden, nicht nur Ärzte, die zum Geld verdienen kommen. Werden sie auch zu sozialer Hilfe bereit sein? Sie bekommen kein Festgehalt wie unsere Allgemeinmediziner, die die Basis unseres Hospitales sind. Wir bezahlen sie wie die meisten Mitarbeiter “auf Rechnung” mit einfachem Arbeitsvertrag ohne die staatlichen Sozialabgaben. Sie müssen sich selbst versichern.
Der Anfang ist Mehrarbeit, aber nur für kurze Zeit. Was machen wir dann?
Zwei Richtungen. Da ist die Organisation. Sie muss effektiver werden. Die Bankverbindung ist effektiver geworden. Jetzt gilt es es die Abrechnung und die Patientendaten zu verbinden – ein langer Prozess, an dem unser IT Team seit einem Monat arbeitet. Die Patientendaten müssen 16 up-dates durchlaufen, die Zahlungen der Patienten sollen über einen Kassenautomaten laufen und wir müssen die Anforderungen der Ärzte für Labor, Röntgen und Ultraschall damit koordinieren. Das ist derzeit unser Arbeitsbereich.
Aber da sind auch noch unsere Patienten mit speziellen Sorgen. Ein fast 17 jähriges Mädchen hat die seltene Klippel-T – Weber Erkrankung von denen ich mehrere Patienten habe. Es ist ein Fehlbildung der Arterien. Bei ihr ist die Durchblutung der Beinarterie um das vierfache erhöht. Sie besitzt 2 große Arterien. Diese Seite ist enorm gewachsen. In jungen Jahren entwickeln diese Kinder/Jugendlichen eine enormes einseitiges Wachstum und später Krampfadern (Varizen). Spezialisten haben sie mit Embolisieren der Arterien behandelt – Schmerzen ohne Ende, Entzündungen der Haut, jetzt Knochenvereiterung des Fußes. Was ich seit Jahren vorbereite, aber andere “Spezialisten” ablehnen: Die 17-Jährige ist ausgewachsen und braucht eine Unterschenkelamputation, um dann mit einer Prothese ohne Krücken zu laufen. Solche Kranken sind unsere treuen Patienten, die andere Ärzte aufsuchen und dann doch wieder zurück kommen. Sie hat zwischendurch auch noch ihre Mutter an Krebs verloren. Da kommt Einiges zusammen, das aufgearbeitet werden muss.
Abgeben ist ein Programm. Wir werden sehen, wie es läuft. Viele Änderungen sind auf dem Weg möglich. Wir warten auf andere Fachrichtungen. Organisation ist mehr und mehr die Aufgabe mit Hilfe unseres Freundes Enrico Götsch aus Sachsen, der uns mit seinen Ideen überschütten. Aber wir dürfen unsere vielen “kleinen” Patienten nicht vergessen, die mehr als nur eine Operation benötigen. Danke für alles Mittragen!
Eckehart & Klaudia “