Fahrzeug- und Wohnmobiltechnik über den Wolken / Südamerika

meine technischen Zweifel und Erkenntnisse

Ich habe in Vorbereitung auf meine Reise nach Südamerika viele Foren gelesen und versucht durch Analyse der Argumente die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wie es immer im Leben ist, es ist in vielen Dingen eine Abwägung, eine Suche nach dem Mittelweg.

Ich möchte für andere Overlaender, die besonders in Südamerika unterwegs sein wollen, meine Erfahrung hier niederschreiben.

Ich werde diese Seite fortlaufend befüllen in den nächsten Jahren meiner Weltreise.

Technische Daten meines Wohnmobils

  • Fahrzeug
    • Mercedes Sprinter 904.6, Baujahr 2003
    • Zulässiges Gesamtgewicht 4.5 t
    • Hinterachse Zwillingsräder
      • Nachgerüstete Differenzialsperre Hinterachse
    • Hubraum 2684 qcm
    • 5 Zylinder in Reihe
    • Motorelektronik mit CAN-Bus
    • Diesel
    • 6 Gang Halbautomatik, „SprintShift“
    • Nachrüstung offener Katalysator im Teilstromverfahren (Euro3), Firma Oberland / Mangold in 2021
    •  
  • Dachklimaanlage demontiert
  • Satelliten und Fernsehanlage demontiert
  • Aufbau Hymer „Starline 640“, Baujahr 2003
  • Hubstützensystem, Firma ASIMO, Baujahr 2021
  • Dieselheizung Chinesische Produktion 2KW
  • Gasheizung „Trumatic C“ aus 2003 (mit goldenen Ersatzteilen)

Erfahrung Katalysator für Dieselfahrzeug bei 4500 Meter​

Auszug aus meiner Rückmeldung an den technischen Leiters der Firma Oberland / Mangold 04/21

Viele Grüße aus Ecuador… wir waren so verblieben, dass ich mich bei Ihnen melde, wenn ich ausreichend getestet habe. Ich bin jetzt ca. 5600 km, zwischen 0 und 4360 Metern NN mit ihrem Katalysator Euro 3 gefahren, Ergebnis:

– Von Rußen oder Zusetzen kann auch bei 4360 m keine Rede sein. Hier muss man schon genau hinsehen, wenn man eine leichte Rußentwicklung bei der Höhenlage sehen will. Das ganze Geschwafel in den deutschen Foren ist für Euro 3 nicht zutreffend.

– Leistungsverlust durch die Höhe, naja da muss man Experte sein, er ist sehr marginal. Mit dem Motor fühle ich mich zu den anderen einheimischen Fahrzeugen wie ein Rennfahrer mit ausreichenden Leistungsreserven, die ich bei 4,2 Tonnen eigentlich nicht brauche. Es ist eher beschämend, die einheimischen PKWs mit einem Wohnmobil zu überholen.

– Dieselverbrauch in Deutschland 11-12 Liter in den Cordilleras sind es schon mal 20 Liter / 100 km (Dieselpreis ca. 0,5 Dollar/Liter)

Falls etwas Kohle im Kat sein sollte, glauben Sie mir: …. Hier wird alles frei gebrannt. Nicht der Kat ist das Problem, sondern wenn sie bei 450 m und 38 Grad starten und in einer Stunde auf 3500 NN fahren ist die Kühlung im Motorraum (Elektronik) nicht ausreichend und der Motor bringt eine Alarmmeldung…. daher musste ich wie die Einheimischen, einmal mit offener Motorhaube fahren, aber das ist die Ausnahme.

Dyson Staubsauger in Höhenlagen

Ohne guten Staubsauger gehts nicht in meinem Wohnmobil. Ich nutze mehrfach täglich einen „Dyson v7 trigger“, der bisher gute Arbeit geleistet hat. Es hat eine Weile gedauert bis ich erkannt habe, dass die Höhe über NN ein Problem für das Gerät ist. Praktisch funktioniert das technische Verfahren nicht bei Höhen über 3300 Meter. Normalerweise braucht das auch keiner, aber auf einer Reise durch die Anden ist es sehr hilfreich. Ich würde mir zukünftig eher einen unkomplizierten leistungsstarken Hand-Staubsauger mit Kabel kaufen.

Höhentauglichkeit von elektrischen Bauteilen​

In Europa werden in der Regel alle elektrischen Bauteile bis zum Einsatz in einer Höhenlage von 2000 Meter gefertigt, lediglich chinesische Elektronik ist zugelassen bis 5000 Meter NN. Für Leistungselektronik größer 60 V ist damit abzuwägen welche Technik Einsatz findet.

Dank der Empfehlung von Andre Amumot, (Amumot Solartechnik) habe ich mich entschieden, meinen preiswerten Konverter der 12 V/DC auf 230 V/AC wandelt, gegen einen klassischen Konverter mit Kerntrafo zu tauschen.

Sprintshift- Mercedes / Halbautomatik​

Automatik- oder Halbautomatikgetriebe ist in Entwicklungsländern schwer zu reparieren und ohne Diagnosegerät geht nichts. Wahr wohl wahr, aber schwierig bedeutet nicht, dass es nicht geht.

Nach Totalausfall vom CAN-Bus bis einschließlich Totalausfall vom Sprintshift durfte ich hier alles durchleben und man konnte mir helfen. Nachdem ich die Kommentare zu Sprintshift und die Horrorerlebnisse vieler Eigentümer gelesen hatte, hatte ich schon innerlich aufgegeben und meine Reise abgebrochen… aber hier nimmt sich die Mercedes-Werkstatt wirklich der Sache an, auch wenn sie noch nie so ein Fahrzeug hatten oder zukünftig haben werden. … und das alles zu einem fairen Preis. Danke Mercedes- Autolider in Quito.

Asymmetrische Heizung als Redundanz​

Wer im Gebirge übernachtet, braucht wie in Europa auch hier eine Heizung. Ich verwende im Standard eine normale Gas-„Truma-C“ Heizung. Wenn aber das Gas alle ist oder die Technik streikt habe ich mich zusätzlich für eine Dieselheizung aus chinesischer Produktion entschieden. Beide redundante Heizsysteme sind im Kleiderschrank integriert und können durch Umschaltung mit einem mechanischen Schieberegler alternativ betrieben werden.

Diesel-Heizung - chinesische Produktion, Höhenkit​

In Foren ist von notwendigen Höhenkit zu lesen, die unbedingt eine Dieselheizung für den Betrieb ab 2.500 Metern NN braucht. Chinesische Heizungen haben einen Höhensensor und passen über diesen die Einspritzmenge an Diesel, auf die entsprechende Höhenlage automatisch an. Der Sensor ist nicht genau, aber ausreichend.

4500 Meter NN ist für eine Diesel-Heizung – chinesische Produktion auch bei dauerhaftem Betrieb über 24 h kein Problem.

Zusatzheizung Motor (Bergabfahrt-Motorbremse)

Mein Sprinter hat noch eine Mini- Dieselheizung für die schnelle Erwärmung des Motors bei Temperaturen < 5 Grad Celsius. Ich wüsste nicht, dass ich diese schon einmal in Europa gebraucht hätte. Hier in den Anden ist das anders. Wenn ich auf 4000 Meter übernachte und früh 500 Höhenmeter mit kaltem Motor bergab fahre, muss ich den Motor als Bremse einsetzen, der dann schon mal 15 Minuten auf maximal Drehzahl von 4300 U/min läuft. Eine solche Belastung mit kaltem Oel wäre fatal für den Motor. Bei diesen Umständen nutze ich schon diese Miniheizung bereits bei Temperaturen < 15 GradCelsius sehr oft.

Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich eine kleine Heizpatrone in die Oelwanne eingebaut, denn Energie habe ich mehr als genug an Bord und könnte auf die anfällige zusätzliche Diesel-Miniheizung verzichten.

Wunsch nach einer Motorbremse

Ich bremse in den Anden fast ausschließlich mit dem Motor und muss oft zusätzlich die Bremse noch einsetzen um die maximal Drehzahl nicht zu überschreiten. Bergabfahrten können sich in den Anden schon mal über 2 Stunden ziehen. Ich weiß nicht ob es fachlich richtig ist, aber ich leide im Herzen, wenn der Motor die ganze Zeit diese Drehzahl hat und würde mir eine Motorbremse wünschen.

Höherlegung, Böschungswinkel

Der Straßenbau in Südamerika ist nur bedingt genormt. Steigungen gibt es bei normalen offiziellen Straße innerhalb einer Stadt, die zu mindestens in Deutschland unbekannt sind. Das Wort „Böschungswinkel“ findet in Deutschland nur Anwendung in Verbindung mit Offroad Aktivitäten. Das ist anders in Ecuador. Zudem, nach meinem persönlichem Eindruck, modulieren die Straßenverkäufer private Rampen aus Beton auf den Fernverkehrsstraßen, offiziell zur Reduzierung der Geschwindigkeit. Praktisch werden die Rampen genutzt, um den Fahrern Waren anzubieten. Logisch, umso höher die Rampe, umso langsamer muss dieses Hindernis überquert werden. Umso langsamer, um so mehr Zeit bleibt für den Verkauf. 

In Europa habe ich äußerst selten mit dem Heck des Fahrzeugs aufgesessen, aber hier im Abstand von 30 Minuten. Ich brauchte also eine Höherlegung des Fahrzeugs. Grundsätzlich, in jedem Dorf machbar, aber der Mercedes Sprinter ist bei der Federung etwas Besonderes. Er hat nur drei Fahrwerksfedern. Die vordere Feder ist quer verbaut. Eine solche Bauart ist in Südamerika nicht verbreitet.

Ich habe trotzdem eine Werkstatt gefunden, wir sind an einer Lösung.

LED Licht (Nebelscheinwerfer)​

Ein gutes Licht ist hier viel wichtiger als in Europa. Alles was irgendwie geht, habe ich auf LED umgerüstet. Aber das wichtigste ist aus meiner Sicht, sind gute Nebelscheinwerfer und Nebelrückfahrscheinwerfer und diese auf den Winkel eingestellt zu haben.

Wasserqualität im Wohnmobil​

Wasser kann fast an jeder Tankstelle oder in Gebirgsbächen getankt werden. Durch Optik, Geruch und Geschmack oder fachlich „organoleptische Prüfung“ entscheide ich, ob bei der Tank Befüllung ein 100 µm mechanischer Filter vorgeschalten wird.

Um mögliche mikrobiologische Belastungen auszuschließen, arbeite ich mit Kleinstmengen (2-3g / 200 Liter Wasser) an Chlor. Diese gebe ich dem Tank zu und bestimme auch manchmal, mehr für mein Gewissen den freien Chlor Gehalt. Durch die Langzeitindikation im Tank ist eine Abtötung von mikrobiologischen Keimen zu 99 % gegeben.

Dieses Wasser nutze ich dann für alle Nutzungsarten außer als Trinkwasser. Für das Wasser zum Kochen und Trinken wird das Wasser zusätzlich über einen gesinterten Aktivkohlefilter 1µm und anschließend über Keramikfilter 5µm geführt. Die Aktivkohle bindet in dem Verfahren nicht nur organische Verbindungen sondern auch das freie Chlor. Mit anderen Worten, das Wasser zum Kochen riecht dann auch nicht nach Chlor.

Fensterscheiben Verdunklung und UV-Schutz​

Die Fensterscheiben meines Fahrzeugs und das Hubkurbeldach sind im Standard nicht vor UV und Wärmestrahlung geschützt. Wer in den Anden unterwegs ist wird schnell erkennen, dass die Sonnenstrahlung hier extremer und aggressiver als im Tiefland und mit Europa nicht zu vergleichen ist.

Die Gesetze sind hier wie in Europa. Eine Verdunklung der Frontscheibe und Seitenscheiben vor der B-Säule sind verboten. Die Lösung ist, eine Folie aus der Gebäude-Technik aufzubringen, 100 % UV-, 70 % Schutz vor Wärmestrahlung und kein Blickschutz. Eine meiner besten Investitionen für Gesundheit und Material am Wohnmobil in 2021.

Toilette im Wohnmobil

Kurz und knackig: Ich nutze das Wohnmobil seit 3 Jahren fast dauerhaft. Ich habe noch nie die Toilette im Fahrzeug genutzt.

In der Nacht erfolgt das kleine Geschäft im Becherchen, was man direkt dann entleert und ausspült und für die schwere Herausforderung gibt es die Natur oder Restaurants. Vielleicht oder besser sicherlich bin ich da besonders, aber ich liebe es in der Natur einen einsamen Platz mit traumhaftem Ausblick zu finden und verabscheue die oft ungepflegten Toiletten von Restaurants und Hotels.

Mückenschutz im Wohnmobil

Alles was ich bisher auf dem Markt gesehen habe ist eine Kompromisslösung für Insektenschutz an Türen und Fenstern. Meist wird das Bliese-Mückenschutzgewebe an den Seiten, nur zu 50 % durch Bürstenband abgedichtet.

Auch sind diese Technologien auf die Größe von 60 % der Insekten abgestimmt.

Wer hingegen schon mal an einem Maisfeld geparkt hat weiß, dass z.B. die Maisfliege zu Hunderten durch den Standard-Mückenschutz kommt. Zu kleine Gagen führen aber auf der anderen Seite dazu, dass weniger Luftdurchsatz möglich ist.

Es gilt eine Lösung zu finden, die im gesamten Randbereich abdichtet, die Maschenweite des Insektenschutz abhängig vom örtlichen Insektenbefall auswählbar ist, im Winter oder in Höhenlagen vollständig entfernt werden kann und einen Durchgriff für die Fensteröffnung ermöglicht.

Ich habe die gesamte kommerzielle Verdunklung und Insektenschutz aller Fenster auf ein magnetisches Rahmensystem geändert, das in wenigen Sekunden mit unterschiedlichen Gazen bespannt werden kann.

Praktisch nutze ich fast nur die Standard Gaze, um einen hohen Luftdurchsatz zu ermöglichen. In Gebieten mit großer Anzahl Kleinstinsekten (wie die Maisfliege) besprühe ich die Gaze zusätzlich mit „Mückenschutz“.

Landstrom in Südamerika​

Die Spannung für Landstrom ist unterschiedlich in Südamerika und nicht stabil. Weder in der Spannung noch in der Frequenz. Ich habe meine gesamte Stromversorgung umgestellt auf Solar und Strom aus der Lichtmaschine. Diese erzeugen Energie, die in den Lithium-Batterien gespeichert werden. Lediglich ein Konverter wandelt dann aus den 12 V/DC, 230 V/AC Spannung. Ein zusätzliches Ladegerät mit einem Weitspannungsbereich 110 bis 230 V kann über einen 12 V Landstrom die Akkus laden. Für das Laden der Batterien ist die Stromqualität nicht relevant und ich bin unabhängig.

Praktisch habe ich bis jetzt das Ladegerät nur im Winter in Europa vereinzelt genutzt. In Südamerika habe ich so viel Sonnenstrom, dass ich sogar meine Ladekennlinie nach unten ändern musste.

Nachträglich hat sich auch herausgestellt, dass das Ladegerät nur bis zu einer Höhe von 2000 Metern NN konstruiert ist. Danke Andre Amumot für Deine Beratung.

Meine dümmste Entscheidung 2021 zum Thema Fahrzeugtechnik​

In Deutschland wird in den nächsten Jahren das analoge Radio abgeschaltet… es ist also notwendig auf eine digitale Empfangstechnik umzustellen. Das habe ich auch gemacht…. Aber leider existieren in Südamerika keine digitalen Sender nur analoge.  

Zukünftige Themen:​

  • Dieselfilter
  • Kühlschrank
  • Allrad
  • Steine zwischen den Zwillingsrädern
  • Gasversorgung
  • Hubstützen System 
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